Lesetipp von Andreas Mahr - 08.04.2023
Kinderbuch, Jupitermond, 22 €
Lou sagt nichts mehr! Seit ein anderes Kind gesagt hat, sie sei dick, kann sie nicht mehr sprechen. Erst als Lous Vater ihr einen Zaubertrick zeigt, geht es ihr besser. Dafür braucht man nur einen Spiegel, etwas Fantasie und die Lust nach Wörtern zu suchen! Gemeinsam mit Mama und Papa ergibt sich ein lustiges Spiel, das Lou hilft sich selbst anders zu betrachten und ihre Stärken herauszufinden.
Ein wundervolles Buch, das helfen kann die Selbstwahrnehmung schon bei kleinsten Kindern zu verbessern und Respekt für die Vielfalt von Körpern nahe bringt. Die tollen Illustrationen von Franziska Viviane Zobel ergänzen den Text perfekt und verstärken das warme Gefühl des Buches.
Lesetipp von Annette Quest - 08.04.2023
Jugendbuch ab 14, Carlsen, 16,00 €
Der Nahostkonflikt – wer könnte schon von sich behaupten, ihn zu verstehen? Wer hat recht? Für welche Seite sollte man Partei ergreifen? Schwierig zu sagen. Wie gut, dass der Autorin Anja Reumschüssel mit ihrem spannenden Roman 'Über den Dächern von Jerusalem' ein so erhellender Einblick in dieses Jahrzehnte alte Dilemma gelungen ist – ein tolles Buch für Jugendliche, aber durchaus auch für Erwachsene!
1947 kommt die 15-jährige Jüdin Tessa als Halbwaise zu ihrem Vater nach Jerusalem. Sie begegnet dort dem arabischen Jungen Mo, der seinen Vater bei einem Terroranschlag verloren hat, den ihr Vater mit vorbereitet hat. In der Jetztzeit ist die israelische Soldatin Anat nach einer Wehrdienstübung im Westjordanland auf die Hilfe des Palästinensers Karim angewiesen, der sich am Kampf gegen die 'Besatzer' beteiligt.
Tiefes Misstrauen und Wut machen, heute wie damals, eine normale Begegnung fast unmöglich. Jeder noch so harmlos gemeinte Gesprächsanfang der jungen Protagonisten endet unweigerlich in erbitterten Vorwürfen. Und doch treffen sie sich wieder - heimlich, weil von den Familien streng verboten. Und dann finden Anat und Karim eines Abends heraus, dass ihre beiden Familien viel mehr miteinander verbindet, als sie es für möglich gehalten hätten...
Man merkt der Journalistin Anja Reumschüssel an, dass sie sowohl in Israel als auch im Westjordanland gelebt hat. Sie beleuchtet die Lebensverhältnisse und die gegensätzlichen Perspektiven der Menschen anschaulich und realistisch, ohne sich auf eine Seite zu schlagen. Gerade dadurch weckt die Geschichte die Hoffnung, die nächste Generation könnte die Chance ergreifen, die Kluft zu überwinden, indem sie sich gegenseitig als Menschen erkennen.
Anja Reumschüssel erhielt 2019 für ihr Buch 'Extremismus' den Deutschen Jugendliteraturpreis als bestes Sachbuch.
Lesetipp von Sigrid Lemke - 24.03.2023
Aus dem Englischen von Monika Blaich und Klaus Kamberger
Kriminalroman, Dörlemann Verlag, 19,- €
New York in den sechziger Jahren, Manhattan wie in den frühen Woody-Allen-Filmen. Das ist der Schauplatz für die Krimis von Amanda Cross. Ihre Ermittlerin, Kate Fansler, ist eine charmante Literaturprofessorin, die sehr neugierig und klug ist. Als eine Studentin sie nach einem guten Analytiker fragt, empfiehlt Kate ihren alten Freund Emanuel. Kurze Zeit später wird die junge Frau erstochen auf Emanuels Couch gefunden. Und schon muss Kate Fansler in „Die letzte Analyse" ihren ersten Fall lösen. Mit Hilfe von Scharfsinn und literarischen Verweisen löst sie in der Folge dreizehn Fälle.
Amanda Cross war Literaturwissenschaftlerin, Feministin und Direktorin eines Forschungsinstituts für Frauenfragen und gilt als Vorreiterin der feministischen Krimis. Die Ausgaben bei DTV aus den neunziger Jahren sind schon lange vergriffen und deshalb ist es wunderbar, dass der Dörlemann Verlag Amanda Cross wieder verlegt und damit wieder mal sein Händchen für literarische Perlen beweist!
Lesetipp von Sybille Kramer - 21.03.2023
Roman, Diogenes, 26,00 €
Ich habe mich sehr gefreut, dass endlich wieder ein Roman von Martin Suter erschienen ist. Das Intermezzo mit der Schweinsteiger-Biografie habe ich einem meiner Lieblingsautoren verziehen, denn das neue Buch "Melody" ist richtig großartig.
Tom Elmer hat gerade sein Jura-Studium beendet. Er ist dreißig Jahre alt, seine finanzielle Lage aus verschiedenen Gründen schlecht und seine Freundin hat ihn verlassen.
Die Suche nach einer ersten Anstellung gestaltet sich schwieriger als gedacht. Da kommt ihm eine Annonce in der Zeitung gerade recht, auch wenn sich das Ganze nicht nach seinem Traumjob anhört: Der betagte, schwerkranke Nationalrat Dr. Peter Stotz sucht einen Juristen, der binnen eines Jahres seinen Nachlass ordnen soll. Auflage ist, dass Tom sich zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet, in die Gästewohnung der Villa einzieht, um die Aktenberge in einer Weise zu bearbeiten, die dem Bild entspricht, welches Stotz von sich der Nachwelt hinterlassen möchte. Außerdem: Tom muss sich zu jeder Tages- und Nachtzeit die Lebensgeschichte des alten Mannes anhören. Bei der extrem guten Bezahlung kann er nicht widerstehen. Doch worauf er sich da eingelassen hat, wird ihm erst nach und nach bewusst.
Was Tom schon beim ersten Besuch in der Villa aufgefallen war, sind die vielen Gemälde, die alle eine junge Frau zeigen. Tom erfährt: Es handelt sich um die Verlobte namens Melody von Stotz. Kurz vor der Hochzeit verschwand sie spurlos. Und das ist nun schon etwa vierzig Jahre her.
In Gesprächen vor dem Kamin erzählt ihm Dr. Stotz die Geschichte dieses rätselhaften Verschwindens. Aber stimmt diese Version, die ihm da aufgetischt wird?
Mehr wird nicht verraten... Ich konnte jedenfalls nicht aufhören zu lesen. Es ist diese Mischung aus Spannung, skurrilen Wendungen, einer Liebesgeschichte und einem unerwarteten Ende, die einen typischen Suter ausmachen. Viel Spaß beim Abtauchen für ein paar Stunden!
Lesetipp von Sönke Christiansen - 15.03.2023
Zeitgeschichte, C.H.Beck, 23,00 €
Ewald Frie wurde 1962 als neuntes von elf Geschwistern auf einem Hof im Münsterland geboren. Er und seine Geschwister, zwischen 1944 und 1969 geboren, sind in eine Zeit hineingeboren worden, in der sich das ländliche Leben in einem bis dahin nicht gekannten Tempo verändert hat. Ewald Frie, heute Professor für neuere Geschichte in Tübingen, hat in den Familienarchiven nachgeforscht und seine Geschwister zu ihren persönlichen Erfahrungen aus dieser Epoche interviewt. Mit Hilfe seiner eigenen akademischen Kenntnisse ist so ein lebendiges Bild seiner Familiengeschichte und des ländlichen Lebens entstanden, das stellvertretend für viele bäuerliche Familien, ob im Münsterland oder anderswo in Deutschland in den 50er und 60er Jahren stehen dürfte.
Er tut dies ohne Bewertung, rein beschreibend. Ob die Veränderungen insgesamt eher positiv oder negativ waren, überlässt er dem Blickwinkel des Lesers.
Ein Buch, das jedem Leser und jeder Leserin, die einen Bezug zum Leben auf dem Land haben - oder sich dafür interessieren - viele Hintergründe und neue Erkenntnisse vermittelt und so für ein tieferes Verständnis des Wandels im ländlichen Raumes sorgt, der bis heute anhält.
Lesetipp von Annette Quest - 08.03.2023
Aus dem Spanischen von Ilse Layer
Jugendbuch ab 14, Fischer Sauerländer, 16,00 €
Alles beginnt damit, dass ein Junge seinen Mathetest nicht an seinen Klassenkameraden mit dem Spitznamen 'MM' geben will. Denn der ist kein Nein gewöhnt und beginnt, ihm das Leben zur Hölle zu machen. Mobbing.
Doch während es dem Jungen in seiner Angst und seiner Scham immer schlechter geht und er sich immer mehr zurückzieht, möchte er gern an eine ganz andere Wahrheit glauben: Daran, dass er mit Hilfe von Wespengift Superkräfte entwickelt hat, die seine Rettung sind. Dass er besser sehen und hören, die Luft länger anhalten kann. Und vor allem, dass er sich unsichtbar machen kann. Diese Fähigkeit, so sagt er sich, muss er nur perfektionieren, dann kann ihm nichts mehr passieren...
Dem spanischen Bestsellerautor Eloy Moreno ist eine berührende und zugleich packende Geschichte gelungen. Weil sie sich aus unterschiedlichen Perspektiven zusammensetzt, sind die Leser immer wieder gefordert, einen Schritt zurückzutreten und einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Denn Moreno geht es auch und insbesondere um die vielen Menschen, die durch ihr Wegsehen den Jungen immer unsichtbarer werden lassen.
Nora Burgard-Arp: Flauschig Mauschig
von Andreas Mahr,
08.04.2023
Anja Reumschüssel: Über den Dächern von Jerusalem
von Annette Quest,
08.04.2023
Amanda Cross: Letzte Analyse
von Sigrid Lemke,
24.03.2023
Martin Suter: Melody
von Sybille Kramer,
21.03.2023
Ewald Frie: Ein Hof und elf Geschwister. Der stille Abschied vom bäuerlichen Leben
von Sönke Christiansen,
15.03.2023
Eloy Moreno: Unsichtbar
von Annette Quest,
08.03.2023
Stefanie Taschinski: Tuuli und die geheime Flaschenpost
von Susanne Sießegger,
07.03.2023
R.J. Palacio: White Bird. Wie ein Vogel
von Andreas Mahr,
03.03.2023
Kristina Hauff: In Blaukalter Tiefe
von Nicole Christiansen,
22.02.2023
Mary Beth Keane: Mit dir bis ans Ende der Welt
von Susanne Sießegger,
16.02.2023
Steffen Schroeder: Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor
von Eva Lorenzen,
11.02.2023
Martin Muser: Weil
von Andreas Mahr,
11.02.2023
Michaël Escoffier: Palomino
von Sigrid Lemke,
09.02.2023
Cornelia Franz: Wildesland
von Annette Quest,
03.02.2023
Etel Adnan: Die Stille verschieben
von Annette Quest,
22.01.2023
Markus Bennemann: Böse Bäume
von Sönke Christiansen,
18.01.2023
Raphaela Edelbauer: Die Inkommensurablen
von Sybille Kramer,
14.01.2023
Jenny Valentine: Ich bin Joy
von Susanne Sießegger,
11.01.2023
Susan Kreller: Hannas Regen
05.01.2023
Peter Neumann: Feuerland. Eine Reise ins lange Jahrhundert der Utopien 1883-2020
von Nicole Christiansen,
27.11.2022
Michel Friedman: Fremd
von Michael Keune,
15.11.2022
Christine Dohler: Rauhnächte mit Kindern erleben. Eine magische Reise für die ganze Familie
von Nicole Christiansen,
12.11.2022
Ali Benjamin: Die Suche nach Paulie Fink
von Annette Quest,
09.11.2022
Ole und Hans Könnecke: Hört sich gut an! 50 Instrumente und wie sie klingen
von Susanne Sießegger,
06.11.2022
Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter
von Nicole Christiansen,
01.11.2022
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