Lesetipp von - 26.05.2021
Aus dem amerikanischen Englisch von Katarina Ganslandt
Roman ab 14 Jahren , Fischer Sauerländer, 10,00 €
Für Shirin ist dies nicht der erste Schulwechsel. Um genau zu sein, ist es der 12. Sie hat gelernt, ihren Kopf unten zu halten und keine Freundschaften einzugehen, denn in spätestens einem Jahr ist sie eh wieder weg. Ihr Vater wird einen besseren Job in einer schöneren Stadt gefunden haben. Es ist aber nicht so, als ob sich irgendjemand mit ihr anfreunden wollen würde. Denn unter ihrem Kopftuch versteckt sich bestimmt eine der Terroristen, die im Jahr zuvor das World Trade Center angegriffen haben. Wenn jemand sie anspricht, dann ist es nur um einen blöden Spruch zu bringen oder sie irgendwie bloßzustellen. Als ihr Bruder eine Breakdance-Crew gründet und sie mit aufnimmt, wird die neue Schule schon etwas angenehmer. Aber das ihr Laborpartner mit den schönen Augen und dem merkwürdigen Namen Ocean wirklich mit ihr reden möchte und die Fragen nicht stellt um sich darüber lustig zu machen, kann sie nicht ganz glauben. Denn wenn er mit ihr zusammen sein würde, wäre er plötzlich nicht mehr der Basketballstar der Schule.
Ein witziger, romantischer und aufwühlender Roman über Alltagsrassismus und die erste Liebe. Ab 14 Jahren.
Lesetipp von Andreas Mahr - 26.05.2021
Aus dem Englischen von Henning Ahrens
Kinderbuch ab 11 Jahren, Carlsen Verlag, 15,00 €
Vita und ihre Mutter besuchen den Großvater in New York um ihn nach dem Tod der Großmutter zu unterstützen und sind entsetzt wie es dem alten Mann geht. Er wurde durch einen Gangster um sein gesamtes Hab und Gut gebracht. Vita hat sich in den Kopf gesetzt ihrem Opa zu seinem Recht zu verhelfen und den fiesen Sorrotone zur Strecke zu bringen. Dabei helfen ihr zwei neue Freunde, eine Taschendiebin, ein akrobatischer Zirkusjunge und Vitas eigene einzigartige Fähigkeit... .
Katherine Rundell gehört zu meinen absoluten Lieblingskinderbuchautorinnen, sie schafft es immer wieder tolle Szenarien zu entwickeln in den ihre faszinierenden Charaktere aufblühen können.
Lesetipp von Susanne Sießegger - 26.05.2021
Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann
Roman ab 11 Jahren , Hanser, 17,00 €
Dieses Buch werde ich heimlich in die Belletristik-Abteilung schummeln. Eigentlich ein Kinderbuch, ab 11 Jahren. Diese Geschichte umfasst so viele Themen und ist so poetisch, darum wünsche ich mir, dass die klassische Einteilung in Kinder-/ Jugend-/ Erwachsenenliteratur einfach mal aufgehoben wird. Schließlich waren auch Dickens´ Helden nicht immer Erwachsene! Mal sehen, was meine KollegInnen sagen...
Nun aber zum Buch und zur Autorin: Lauren Wolk hat schon mit "Das Jahr, in dem ich lügen lernte" (nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis) und "Eine Insel zwischen Himmel und Meer" großartige und empfindsame Kinderromane vorgelegt, die die LeserIn mühelos in andere Zeiten und andere Leben entführen.
In "Echo Mountain" versetzt uns die Autorin in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Familie der 12-jährigen Elli lebt, nachdem sie durch die Weltwirtschaftskrise und die darauffolgende Große Depression alles verloren hat, in einem selbst erbauten Blockhaus auf dem Echo Mountain in Maine. Sie sind Selbstversorger und an das frühere Leben in der Stadt erinnert noch die Mandoline der Mutter, einer Musiklehrerin und die kunstvoll gearbeiteten Kleidungsstücke des Vaters, eines Schneiders.
Elli hat sich mit dem neuen Leben nicht nur arrangiert, sie liebt das Leben auf dem Berg, in der rauen Natur, in den Wäldern. Auch ihr kleiner Bruder und ihr Vater, anders als Ellis Mutter und große Schwester, trauern der Stadt nicht nach.
Die Erzählung setzt ein, nachdem Ellis Vater durch einen beim Fällen herabfallenden Baum schwer verletzt wird. Die Familie versucht alles, den seit Monaten im Koma liegenden Vater wieder ins Leben zurückzuholen. Elli hat da kreative Ideen, zumal sie für den Unfall verantwortlich gemacht wird. Sie ist überhaupt eine sehr eigenwillige und starke Protaganistin, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Und das wird Ihnen und Euch bestimmt auch so gehen! Also: Auf zum Echo Mountain vor fast 100 Jahren!
Lesetipp von Sigrid Lemke - 26.05.2021
Kriminalroman, Rowohlt Taschenbuch , 10,00 €
Bette Hansen ist vor kurzem in ihr Elternhaus in Ochsenwerder gezogen. Sie ist nicht freiwillig zurückgekehrt, aber sie leidet an Narkolepsie. Bette hat bei der Kriminalpolizei in Hamburg gearbeitet und ist bei ihrem letzten Verhör von einer Sekunde auf die andere eingeschlafen.
Nun versucht sie, sich wieder in Ochsenwerder einzuleben und zu vergessen, dass sie ihren letzten Fall nicht mehr abschließen konnte.
Eines Tages findet Bette in ihrem Garten einen Holzscheid mit einem eingeritzten Muschelkreuz. Das war das Zeichen des Mörders in dem letzten Fall. Bette ist schnell klar, dass der „Muschel-Mörder" es nun auf sie abgesehen hat. Leider sind ihre ehemaligen KollegInnen lange Zeit der Meinung, dass Bette wohl nur ein psychisches Problem hat.
Nora Luttmer hat einen sehr spannenden Hamburg-Krimi geschrieben, mit einer toughen Kommissarin, die wohl weiter ermitteln wird.
Lesetipp von Susanne Sießegger - 25.05.2021
Aus dem amerikanischen Englisch von Pieke Biermann
Roman, Nagel & Kimche , 24,00 €
Was für ein großes Glück, dass es derzeit so viele Wiederentdeckungen auf dem Buchmarkt gibt. Dadurch können wir im Original oder neuen Übersetzungen Autoren wie James Baldwin, John Williams, Elizabeth Taylor oder Dorothy Baker (wieder) lesen.
Bei Nagel & Kimche erschien nun der zweite wiederentdeckte und neu übersetzte Roman "Country Place" von Ann Petry. Schon "The Street" von 2020 hat mich gefesselt (siehe ältere Besprechung) - der Roman über die alleinerziehende Luthie Johnson, die im Harlem der 40er Jahre für ein besseres Leben kämpft.
In "Country Place" begibt sich die afroamerikanische Schriftstellerin nun in die Kleinstadt Lennox in Connecticut. Johnnie Roane kehrt nach vier Jahren aus dem Zweiten Weltkrieg zurück und ist voller Erwartung und Vorfreude auf Glory, seine junge Ehefrau. Das Wiedersehen wird für beide jedoch eine Enttäuschung, denn die Zeit ist in der spießigen, bigotten Kleinstadt nicht stehengeblieben und Johnnie muss feststellen, dass er seine Ehefrau glorfiziert hatte.
Nach allen Regeln der Erzählkunst beschreibt Petry den Sturm, der in den nun folgenden drei Tage aufzieht, der nicht nur die Bäume entwurzelt und Häuser abdeckt, sondern auch die Beziehungen der Bewohner von Lennox durcheinanderwirbelt. Die Schilderung der Figuren und ihrer Psychologie ist unglaublich gut! Ebenso wie die Beschreibung der Boshaftigkeit, des Egoismus und der Klatschsucht der Einwohner.
Das unbedingt lesenswerte Nachwort von Farah Jasmine Griffin ordnet das Werk ein und erläutert, warum Petry ihren Roman in der Gemeinschaft der White-Anglo-Saxon-Protestants spielen lässt und warum Vorurteile und Rassismus, anders als in "The Street" nur über die Nebenfiguren angeprangert wird.
Hochdramatisch, lesenswert, spannend, düster.
Im nächsten Frühjahr erscheint "The Narrows". Ich freue mich darauf!
Lesetipp von - 07.05.2021
Aus dem australischen Englisch übersetzt von Verena Kilchling
Roman, Kein + Aber, 23,00 €
Olivia lässt ihr Praktikum bei einer schicken Privatbank sausen, um mit zwei alten Leuten einmal Neuseeland zu umsegeln. Auf See lernt sie die Welt und sich selbst besser kennen, findet Seelenverwandte in ihren Mitseglern und verliebt sich in die Weite des Meeres. Sie befreit sich von den Erwartungen ihres strengen Vaters und verbringt die nächsten vier Jahre auf Yachten, angeheuert als Teil der Crew - bis eine Reise mit 5 jungen Männern zum Albtraum wird.
Sophie Hardcastle schafft es mit wenigen Worten eine Szene und Atmosphäre zu schaffen, die so anschaulich ist als würde man sie selbst erleben. In diesem poetischen Meisterwerk beschreibt sie eines der schlimmsten Dinge, die einer Frau wiederfahren können, die Zeit davor und die Zeit danach. Zwischen atemberaubenden Naturbeschreibungen findet eine Frau sich selbst, zerbricht und klebt sich wieder zusammen. Nicht ganz leichter Stoff, aber absolut lesenswert.
Tahereh Mafi: Wie du mich siehst
26.05.2021
Katherine Rundell: Ein unvorstellbar unsinniges Abenteuer
von Andreas Mahr,
26.05.2021
Lauren Wolk: Echo Mountain
von Susanne Sießegger,
26.05.2021
Nora Luttmer: Hinterland
von Sigrid Lemke,
26.05.2021
Ann Petry: Country Place
von Susanne Sießegger,
25.05.2021
Sophie Hardcastle: Unter Deck
07.05.2021
Takis Würger: Noah
von Michael Keune,
04.05.2021
Marc-Uwe Kling (Autor) Astrid Henn (Illustrationen): Der Tag, als Papa ein heikles Gespräch führen wollte
von Andreas Mahr,
29.04.2021
Anke Loose (Autorin) Ariane Camus (Illustrationen): Der kleine Herr Heimlich hat Großes vor
von Susanne Sießegger,
28.04.2021
Adam Silvera: Am Ende sterben wir sowieso
28.04.2021
Bill Francois: Die Eloquenz der Sardine
von Sönke Christiansen,
28.04.2021
Arnon Grünberg: Besetzte Gebiete
von Nicole Christiansen,
28.04.2021
Sylvain Tesson: Der Schneeleopard
von Michael Keune,
24.04.2021
Sophie Passmann: Komplett Gänsehaut
von Nicole Christiansen,
24.03.2021
David Szalay: Turbulenzen
von Eva Lorenzen,
22.03.2021
Dave Goulson: Bienenweide und Hummelparadies
von Sigrid Lemke,
22.03.2021
Torsten Schäfer: Wasserpfade. Streifzüge an heimischen Ufern
von Sigrid Lemke,
21.03.2021
Elsa Klever: Tier hier
von Susanne Sießegger,
20.03.2021
Satoru Onishi: Wer versteckt sich?
von Susanne Sießegger,
20.03.2021
Laura Creedle: Die Liebesbriefe von Abelard und Lily
20.03.2021
Leslie Connor: Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)
von Andreas Mahr,
20.03.2021
Jan Seghers: Der Solist
von Sigrid Lemke,
23.02.2021
Dolly Alderton : Gespenster
22.02.2021
John Boyne: Die Geschichte eines Lügners
von Susanne Sießegger,
21.02.2021
Magdalena Hai: Die Nimmersattkatze
von Nicole Christiansen,
20.02.2021
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